Überschreitung des Toten Gebirges

Es geistert schon ewig in unseren Köpfen herum – die Überschreitung der Hochangern vom Pyhrnpass zur Hochmölbinghütte. Über Angerkogel, Betstein und Schafberg. Das Plateau oberhalb der Weißenbacher Mauern ist für viele von uns der Inbegriff der Ursprünglichkeit. Kein Wanderweg, keine Skiroute führt dort am südlichen Ende drüber. Nur am Fuße des Warschenecks führt der 208er Wanderweg von der Wurzeralm zur Hochmölbinghütte. Doch wir möchten weiter südlich, am Rande der Mauern entlang gehen.

Vor ein paar Jahren haben wir bereits den ersten Versuch gewagt. Als wir am Pyhrnpass um 8 Uhr morgens ankamen und wir ähnlich wie in Graz erstmal eine halbe Stunde Parkplatz suchen mussten, haben wir entsetzt wieder umgedreht und wir sind von Weissenbach den einsamen Aufstieg zur Hütte gegangen. Kein Bock, mit nahezu 100 anderen Skitourengehern auf den Angerkogel aufzusteigen – nein Danke.

Alleine ist man hier nie

Der Angerkogel ist ein mehr als beliebtes Winterziel. Er ist einfach zu erreichen, das Steilstück zu Beginn kann man über die Forststraße umgehen und dennoch fühlt man sich hier im Toten Gebirge wie auf einem anderen Planeten. Verständlich, warum so viele Tourengeher diesen Gipfel anpeilen. Diesmal nehmen wir allen Mut zusammen, und nach nur fünf Minuten Parkplatz-Suche starten wir etwas unterhalb entlang der Pyhrnpass-Straße in unser Abenteuer. Wir sind spät dran, rechnen damit, kurz vor Sonnenuntergang auf der Hütte einzutreffen. Doch so ersparen wir uns den Massenansturm zum Angerkogel und weichen im Aufstieg auch noch geschickt der klassischen Route aus. Und tatsächlich, während des Aufstieges treffen wir nur 2-3 Leute. Alle schwitzend wie wir, es ist ziemlich heiß für einen Tag im Jänner. Die Hitze spüren auch wir schon in den Knochen und Muskeln, wir sind müde. Endlich am Gipfel angekommen erkenne ich, dass Edgar – der wie immer flott vorausgegangen ist – sich kurz vor dem Kollaps befindet. Doch nicht wegen der Anstrengung, sondern der anderen 60 Gipfelstürmer. Eine riesige Schneeschuhgeher-Gruppe und viele weitere Sportler machen es sich gerade oben gemütlich.

Gipfel-Kaffee muss sein

Wir rasten etwas abseits des Gipfels und packen erstmal gemütlich den Gaskocher aus um uns einen Schluck Kaffee zu gönnen. Wir haben Zeit. Doch trotz dieser Generalversammlung am Gipfel ist es ruhig und gemütlich. Vielleicht haben wir unsere panische Angst vor den Massen nun endlich überwunden *g*. Als wir uns nach koffeinhaltiger Stärkung in Richtung Westen über das abgeblasene Plateau aufmachen, hören wir die Leute im Hintergrund murmeln: „Wo geh’n denn die hin? Die wissen aber schon, dass die Abfahrt in die andere Richtung geht, oder?“. Schmunzelnd ziehen wir weiter. Wirklich Mumm, um uns anzusprechen hatte allerdings keiner. Wir klären über unser Vorhaben auf, und marschieren weiter.

Endlich stellt sich das Abenteuer-Gefühl ein. Allein auf weiter Flur, auf ins Unbekannte. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn hier bin ich noch nie gewesen – nicht im Sommer, nicht im Winter. Auf der Karte haben wir eine Rinne erspäht und freuen uns über den unverspurten Pulver und die 300 Hm abwärts die uns bevorstehen. Unten angekommen finden wir eine nette Line durch die Steilrinnen und schon sind wir am Plateau, zwischen den östlichen und westlichen Weißenbacher Wänden angekommen.

Es wird für uns gekocht

Unterwegs verkündet Edgar, Wirt der Hochmölbinghütte, dass wir heute nicht auf seiner sondern auf der Liezener Hütte übernachten werden. Freunde von uns bewarten diese Selbstversorgerhütte an diesem Wochenende und wir dürfen unsere Essenswünsche deponieren. Na bumm, da kommt Freude auf. Doch zuvor müssen wir noch das Plateau überqueren. Ein wahrer Genuss – unverspurte Landschaft so weit das Auge reicht. Und vermutlich war hier schon Jahre niemand mehr, oder noch länger, oder noch überhaupt nie jemand? Das Kopfkino fängt zum Arbeiten an.

Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir dann wie geplant die Liezener Hütte. Und wir sind heilfroh, dass wir nun hier halt machen können. Denn die Beine sind müde und die Kehle durstig. Wir freuen uns auf Kasnock’n … und unser Wunsch geht in Erfüllung.


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Kommentare

  1. wmcneo

    Schreit nach einer Wiederholung sobald wir dürfen … 😉

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