Reich an Steinen

„Home is where you park it“ … kennen wir, lesen wir auch allzu oft und immer wieder. Als ich letzte Nacht erschöpft und durchgeschwitzt, mit der letzten Energie meiner Stirnlampe, endlich wieder am Parkplatz ankam, da wusste ich, was gemeint war. Zuhause. Zumindest in unserer temporären, vier-rädrigen Kleinstwohnung. Als einziges Auto am Parkplatz dachte sich wohl auch der Crosscamp, endlich nicht mehr allein zu sein.

Ich hatte sechs Stunden davor die Wahl, Schlafsack und Matte sowie die gesamte Foto-Ausrüstung den Berg hoch zu schleppen und es mir am Gipfel gemütlich zu machen, oder aber mit leichtem Gepäck unterwegs zu sein und mit Stirnlampe bewaffnet in der Dunkelheit abzusteigen. Ich fühlte mal kurz in meine Schultern und Rücken und die Entscheidung war gefallen – heute darf’s ein bisschen weniger Gewicht sein. Zudem war es windig angesagt und ich schlafe schlecht, wenn es mir ständig an der Nase zieht. Neue Batterien in die Lampe, Akku-Check bei der Kamera und los ging’s.

Ich war schon paar mal auf diesem Berg, doch entweder mit dien Skiern oder in einer tragenden Rolle mit dem Bike. Mit viel Engagement kann man die ersten 100 Höhenmeter kurbeln, danach muss getragen werden. Aber heute das erste mal ohne externes Sportgerät, nur Wanderschuhe und eine große Portion Vorfreude auf das Bier bei der Hütte. Diese Art von Mikro-Abenteuer hatten wir auch schon früher immer wieder gemacht, doch mit dem Camping-Bus ist alles ein wenig entspannter. Nachdem wir ein paar Wochen durch Österreich tourten, starten wir jetzt immer wieder in unser Umland um Neues zu entdecken oder, wie gestern, zu „Tagesrandzeiten“ die Stimmung auf den Bergen einzufangen.

Eine Karawane von Menschen kam mir entgegen und ich war froh, erst jetzt hinauf zu gehen. Und ich hatte die Terrasse der Hütte tatsächlich fast für mich allein. Die Wirtsleute sind gut drauf, freuen sich aber auch schon auf das ersehnte Saisonende. „Corona hat die Menschen in die Berge gebracht“, sagt der Wirt, und das spüren wir täglich. Beschweren darf man sich nicht, hätte alles ganz anders kommen können. Aber nach fünf Monaten am Berg, freut man sich darauf, den Schlüssel der Hüttentüre das letzte Mal umzudrehen und nach Hause zu gehen. Aber heute ist noch offen – gut für mich, denn ich hab mich auf die Kaspressknödelsuppe verlassen. Meine vierbeinige Begleiterin Rika bekommt Brot und vom Nachbartisch einen Knödel. Ob ich das nachts im Bus nicht büßen werden …

Kurz vor Sonnenuntergang brechen wir zum Gipfel auf. Klingt heroisch, ist es aber nicht. Denn dieser ist nur 10 Gehminuten von der Hütte entfernt. Wir haben ihn für uns allein und genießen den Abend. Bevor die letzten Sonnenstrahlen hinter dem Horizont verschwinden, brechen wir auf. Das oberste Wegstück ist technisch, und ich möchte es noch bei Licht schaffen. Der Rest des Weges ist einfach und im Laufschritt mit Sonne an der Stirn sind wir in Kürze wieder unten.

Home sweet home, Schiebetüre auf, rasten, Tee kochen, Essen aufwärmen, Hund füttern, ein paar Seiten im Buch lesen und ab ins Bett. Und wohin geht’s beim nächsten Mal?

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