Daddies on tour

Skitouren-Basis auf vier Rädern

Während der Winter den Westen und Süden Österreichs noch voll im Griff hat, lassen sich hier bei uns in der Steiermark bereits die ersten Frühlingsboten im Wald entdecken. Schneeglöckerl suchen sich ihren Weg durch den Waldboden und die ersten Knospen an den Bäumen sind sichtbar. Doch Mitte Februar wollen wir noch lange nicht an das Ende des Winters denken – wir packen unsere Skier in den Bus und flüchten ins Tote Gebirge. Hier im Nordwesten des Landes hoffen wir, trotz des mageren Winters, noch ein wenig von der weißen Pracht zu finden. Und der Wetterfrosch meint es gut mit uns – während es am ersten Tag noch frostig kalt ist, erklimmen wir den darauffolgenden Gipfel mit T-Shirt und jeder Menge Sonnencreme im Gepäck.

Wir tauschen den Schlitten gegen die Skier

Der Winter war bislang geprägt von zahlreichen Mikro-Abenteuern mit unseren Familien. Mein Sohn Raphael ist zweieinhalb Jahre alt, die Tochter von Klaus gerade mal sechs Monate. Spaziergänge durch den Wald, Schlittenfahren am Hausberg und die ersten Versuche auf Skier zu stehen prägten unseren Alltag. Die kommenden Tage stehen allerdings ganz im Zeichen hoher Gipfel, einsamer Touren und mit etwas Glück auch Pulverschnee in den nordseitigen Hängen des Toten Gebirges.

Unser kleiner Zwerg hilft mir beim Packen, meine Frau Maria checkt die Ausrüstungsliste und die Hunde ziehen sich beleidigt zurück. Auch die Vierbeiner bleiben diesmal zuhause. Die geplanten Touren sind nicht für Hunde geeignet, ob sie das für uns sind, werden wir noch sehen.

 

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So tot ist dieses Gebirge gar nicht

Unser Ziel ist das Tote Gebirge, welches sich vom Warscheneck im Osten bis zum Loser bei Altaussee im Westen erstreckt. Dazwischen liegen zahlreiche Gipfel, ein karstiges Hochplateau und wenig Infrastruktur oder Hütten. Ein perfekter Platz um sich auszutoben. Bevor wir uns allerdings in die Einsamkeit der Berge verabschieden, nutzen wir die Standseilbahn der Wurzeralm um einen Teil des Weges bequemer zu gestalten. Oben angekommen geht es Richtung Warscheneck – heute nicht über die Normalroute, sondern den sogenannten Skilehrersteig. Das Besondere daran ist die kurze Klettersteigpassage. Nach einer langen Querung des Kares lassen wir die Skier zurück und klettern etwa 50 Höhenmeter am Drahtseil empor. Der Schnee ist gefroren und die Steigeisen heute unsere besten Freunde. Oben angekommen machen wir uns auf den Weg zum Gipfel des Warschenecks und teilen unser Brot mit den lautstarken Bergdohlen.

Klaus war im Winter noch nie auf einem Klettersteig unterwegs und freute sich über dieses Abenteuer. Der Rückweg erfolgt entlang der Aufstiegsroute und so dürfen wir noch einmal in den Via Ferrata, den Eisenweg, einsteigen. Die Abfahrt ist spektakulär. Es gibt zwar heute keinen Pulverschnee für uns, aber die Ausblicke in die umliegende Bergwelt sind beeindruckend. Es ist schön, mal wieder für ein paar Tage in den Bergen zu sein.

 

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Von Ost nach West

Aufgrund der Lift-Unterstützung in der Früh sind wir zeitig zurück am Parkplatz. Wir packen wieder alles ein und machen uns noch am selben Tag über die Alpenstraße auf den Weg hinauf zur Tauplitz Alm. Zur Zeit ist weder auf der Alm noch im Skigebiet selbst viel los. Und auch die Parkplätze sind nahezu leer. Wir finden kurz vor dem Ende der Straße einen kleinen Parkplatz und fragen freundlich nach, ob wir hier eine Nacht verbringen dürfen. Kein Problem, antworten uns die Mitarbeiter der Bergbahnen und so genießen wir unser Feierabendbier in den letzten Sonnenstrahlen des Tages und unter dem Schein des Schildes mit der Aufschrift „Parken über Nacht verboten“.

Die wenigen Besucher machen sich auf den Weg zurück ins Tal und lassen uns alleine zurück am Berg. Wir packen die Feuerschale aus und machen es uns vor dem Bus gemütlich. Zu Essen gibt’s gebratenen Reis mit Cashew-Nüssen, Ananas und Gemüse. Die Nachspeise gestalten wir flüssig in Form einer Hopfenkaltschale. Wenig später gesellt sich noch ein Freund aus der Gegend zu uns und wir schwelgen in Erinnerungen – vergangenes Jahr waren wir gemeinsam unterwegs, ohne einen Gedanken an Corona zu verlieren und ohne jegliche Einschränkungen in unseren Leben. Dieses Jahr ist alles anders, doch wir machen das Beste daraus und träumen von zukünftigen Erlebnissen. Und diese kommen bestimmt, da sind wir uns einig.

 

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Standheizung vs. Lagerfeuer

Die Nacht ist bitterkalt und selbst das Feuer kann uns mittlerweile nicht mehr wärmen. Unser Freund Edgar muss ohnehin zurück ins Tal und wir verkrümeln uns in den Bus. Standheizung an, Tee kochen und die Tour für den morgigen Tag planen. Wir starten früh und sind uns sicher, weitestgehend alleine unterwegs zu sein. Doch wir liegen falsch. Nicht bezüglich des frühen Starts, den kriegen wir hin. Aber alleine sind wir heute definitiv nicht. Also planen wir rasch um, kämpfen uns ans andere Ende des Skigebiets und steigen dort abseits der gängigen Skiroute empor um einen Gipfel unweit unseres geplantes Ziels zu besteigen.

Während wir hier ungestört und alleine über das Plateau gehen, sehen die zahlreichen Skitourengeher am Gipfel im Gegenlicht wie ein Scherenschnitt-Kunstwerk aus. Unser kleiner Umweg hat sich bezahlt gemacht – und die Kontraste des überlaufenen ursprünglichen Ziels zu der Einsamkeit etwas weiter im inneren des Gebirgsstockes sind prägend für die Zeit in der wir aktuell leben.

Wir kühlen unsern heißen Tee mit Schnee, packen das Jausenbrot und die Schokolade aus und genießen, mit dem Rücken am Felsen angelehnt, die Mittagssonne. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren hat es sehr wenig Schnee, und die bevorstehende Abfahrt durch das kupierte Gelände wird spannend. Wir finden unseren Weg zurück durch das Latschen-Labyrinth hinunter zum Steirersee, ein besonders Idyll während der Sommermonate, ziehen erneut die Felle auf und gehen mit einem Rucksack voller Erinnerungen zurück über das Almplateau zum Bus.

Wir hatten früh morgens mitgedacht, und unsere Getränke im Kühlschrank kaltgestellt. Während die Sonne mit voller Kraft versucht dem Schnee Herr zu werden, genießen wir die Wärme mit Ausblick auf Grimming und das Dachstein-Massiv.

 

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Kurzarbeit und Überstunden

Wir leben in einer sich schnell verändernden Zeit. Klaus kann sich seine Arbeitszeit sehr flexibel einteilen und es war uns daher möglich, unter der Woche in unser Abenteuer zu starten. Doch flexibel zu sein hat auch seine Kehrseite. Leider muss er am nächsten Tag arbeiten und verabschiedet sich abends noch am Bahnhof um den Zug zurück nach Graz zu nehmen. Ich beschließe noch eine Nacht dran zu hängen und verbringe die Nacht hoch über dem Ennstal.

Der Nachmittag ist ruhig und ich schaffe es, ein Buch fertig zu lesen das schon lange zuhause rumliegt. Als hätte ich es geahnt, fand es wenige Tage zuvor seinen Weg in mein Gepäck. Jetzt hat es mich gefesselt und wenige Stunden später klappe ich es nach der letzten Seite wieder zu. Es ist Abend geworden, ich packe das Handy aus und starte einen Videocall mit der Family. Raphael möchte auch Skifahren, höre ich es blechern durch das Mikro. Ich hoffe also, das der Winter noch nicht vorbei ist um noch einige Tage mit ihm im Schnee verbringen zu können und wünsche allen eine gute Nacht.

Pulververgnügen am Raidling

Es ist traumhaft schön, warm und die Lawinengefahr heute auf niedrigster Stufe. Ich gehe alleine los auf den Raidling, nördlich von Wörschach im Ennstal und besuche die Hochmölbinghütte. Normalerweise ist sie um diese Jahreszeit von Freunden bewirtschaftet. Doch das ist aktuell nicht möglich. Die wunderschön gelegene Alm aber dennoch den Aufstieg wert. Die Niederhüttenalm ist ein „Kälteloch“, und so bin ich wenig überrascht, vom Gipfel des Raidlings (1.911 m) noch Pulver hinab zur Hütte vorzufinden. Ich stapfe die letzten Meter durch den tiefen Schnee und ruhe mich vor der Hütte in der Sonne aus. Dieser Platz ist etwa Besonderes für mich und meine Familie. Bereits als Kind habe ich hier mit meinen Eltern und Großeltern übernachtet, und 2015 haben meine Frau und ich hier heroben geheiratet. Eine große dreitägige Feier mit allen Freunden und Verwandten. In Gedanken versunken packe ich meinen Rucksack und fahre wieder ins Tal – in der Hoffnung, das bald wieder Leben in der Hütte einkehrt. Wieder beim Bus angekommen werfe ich die Kaffeemaschine an, klappe das Hochdach auf und genieße das schöne Wetter vor meiner Heimreise nach Graz. Es waren nur drei Tage, doch sie fühlen sich wie mehrere Wochen Urlaub an. Das nächste Abenteuer vor der Haustüre wartet schon …

 

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