Biking in a winter wonderland

An manchen Tagen im Jahr stelle ich mir die Frage, welcher Teufel mich geritten hat, in Graz sesshaft zu werden. Der Herbst und Winter besticht vor allem durch eine dichte Nebeldecke, im Sommer ist es teils unerträglich warm. Bleibt noch der Frühling, der wird allerdings von hohen Feinstaubwerten überschattet. Warum nicht ein schmuckes Häuschen in den Bergen, mit Wald, umgeben von Natur?. Wollen wir in die Berge, so sind mal mindestens 40 Minuten mit dem Auto zu bewältigen, um dann die magische 2.000 m Marke zu überschreiten.

Das Bessere ist ja bekanntlich der Feind des Guten

Und so sind es zum Glück nur wenige Tage, an denen der innere Schweinehund dem Frust verfällt und alles in Frage stellt, was ist. Denn auf genau diese Tage, folgen dann jene mit lauen, mediterranen Sommerabenden im Garten. Gibt es bei einem Adria-Tief Pulverschnee ohne Ende am Hausberg und kann man (mit etwas Überwindung) das ganze Jahr über Mountainbiken. Man hat Kunst, Kultur und Kulinarik vor der Haustüre, und dennoch nur wenige Schritte in den Wald und ins Grazer Bergland. Jene „Hügel“ rund um Graz, mit den besten Voraussetzungen für unsere Mikro-Abenteuer und unzählige Möglichkeiten, sich sportlich auszutoben, die Natur mit der Familie zu entdecken oder den Hunden ihren Auslauf zu bieten.


Vor kurzem war wieder einer dieser Tage … einer der zahlreichen „Guten“. Eine early-bird Biketour auf den Grazer Hausberg, den Schöckl (1.445 m). Kein Riese, aber ein Kleinod mit unzähligen Möglichkeiten. Während andere die Skier mit Fellen bestücken, radeln wir über die halbwegs gut geräumte alte Mautstraße hoch. Es ist finster, hier und da sehen wir Sternschnuppen der Geminiden. Unter uns ein Nebelmeer (die bereits erwähnte Nebeldecke, eh schon wissen), über uns der klare Sternenhimmel. Wir haben noch ein paar Minuten bis zum Sonnenaufgang, packen den heißen Tee aus, reißen eine Packung Manner-Schnitten auf und freuen uns, den Schweinehund wieder mal in die Schranken verwiesen zu haben.

Du bist nicht allein

Am Schöckl ist man selten alleine – und seit der Corona-Pandemie, noch weniger. Auch jetzt, um 7 Uhr morgens, sind ein paar Gleichgesinnte am Gipfel und warten auf die Sonne. Wir werden bestaunt und bewundert, man bietet uns Tee an und freut sich über unsere Verrücktheit. Die Menschen sind entspannt, glücklich, haben ein Lächeln im Gesicht. Ein unglaublicher Kontrast zu jenen Leuten, denen ich tags zuvor in der Stadt über den Weg gelaufen bin. Und auch wenn der Schöckl nicht mit Höhe glänzt, so ist er das perfekte Ausflugsziel um mal „schnell“ aus der Stadtluft zu entfliehen.


Wir packen die Kamera ein, gönnen uns einen letzten Schluck Tee, verabschieden uns von den Wanderern und Skitourengehern und versuchen, auf dem schmal ausgetretenen Pfad mit knapp 70 cm Pulverschnee links und rechts, voran zu kommen. Es klappt … bis man mit dem Vorderrad wieder etwas von der Spur abkommt und den nächsten Überschlag vermeidet. Die Trails der Schöckl Trail Area sind noch mit Schnee bedeckt, also gönnen wir uns heute den gut ausgetretenen Wanderweg zurück zur Talstation. Immer noch kommen uns vereinzelt Wanderer entgegen – sie freuen sich mit uns über die vermutlich schönste Abfahrt dieses Jahres. Der Schnee ist griffig, die hohen Stufen etwas weniger hoch und man gleitet bergab wie auf Skiern.

Schneller als wir dachten, sind wir wieder im Tal. Aber zum Glück immer noch hoch genug, um die Nebelschicht von oben betrachten zu können. Wir stellen den Crosscamp-Van in die Sonne und werfen die Kaffeemaschine an. Während die Bialetti brodelt, freuen wir uns über dieses gelungene kleine Abenteuer vor der Haustüre. Eigentlich ist es schön, hier in Graz am östlichen Ende der Alpen.



Wir freuen uns über deine Bewertung

7 Bewertungen

Hinterlasse eine Antwort