3. Camper Van Summit Meeting in Lofer

Lass uns Camping-Luft schnuppern! So lautete unsere Antwort auf die Frage, ob wir denn beim 3. Camper Van Summit Meeting (was für ein Wort, ab jetzt CVSM …) der camprepublic.de in St. Martin bei Lofer die Bike-Touren guiden möchten. Natürlich, aber wo zum Teufel ist dieses St. Martin eigentlich? Nach kurzem Studium des Kartenmaterials ist die Ecke klar. Bislang streiften wir diese Region allerdings nur auf der Durchreise gen Westen, wenn das „große deutsche Eck“ mal wieder maßlos überlastet war. Also auf zum 3. CVSM. Loferer Alm, Steinplatte, Wetterkreuz und die angrenzenden bayrischen Berge versprechen Gutes.

Dreifach Jackpot

Der frühe Vogel … kennt man ja. Wir sind natürlich wieder ein paar Tage früher im Tal um uns noch die ein oder andere Tour bzw. die aktuellen Verhältnisse genauer anzusehen. Leider habe ich den Genesungsprozess nach meiner Erkältung die Woche davor noch etwas überschätzt. In den Sattel schwingen war nicht drin, und auch eine kurze Wanderung verursachte bereits Schweiß-Ausbrüche. Also noch mal einen Gang runter schalten und langsam angehen. So ganz ruhig und entspannt kann ich dann auch nicht rumsitzen, wenn rund um mich gearbeitet wird. Also helfe ich einfach mit. Tolle Idee, und dann kam das Tipi. „Wie viel Aufwand kann es schon sein, ein Tipi aufzustellen“ dachte ich mir. Aus einem wurden dann schnell drei und wir brauchten einen Bagger, einen Kran und viele helfende Hände um dieses Monstrum aufzustellen.

Ich liebe meine Standheizung

Ich springe nochmal einen Schritt zurück. Seit dem Sommer 2019 dürfen wir uns stolz zu den Dachzelt-Nomaden zählen. Unser schmuckes Treeline Ponderosa Zelt am Berlingo hat uns bereits auf zahlreiche Abenteuer mitgenommen. Und auch den Campingplatz Grubhof in St. Martin kennen wir schon aus der „Vogelperspektive“. Das Wetter für die bevorstehende Woche beim CVSM sieht allerdings alles andere als viel versprechend aus. Regen, Schneefall bis unter 1.000 m Seehöhe und dementsprechend eisige Temperaturen. Sechs Tage im Dachzelt? Mit stets nassen Klamotten die niemals wieder auftrocknen? Hmmm, auch wenn wir gerne bei Schlechtwetter unterwegs sind und uns kein Wässerchen trüben kann, so klingt das nicht gerade verlockend.

Wie es der Zufall so will, spreche ich mit unserem Genuss-Guide Enrico, der seit wenigen Monaten bei Gebetsroither arbeitet. Gut, ein Mobilheim haben sie dort keines, und zu einem Camper-Meeting passt das auch nicht ganz. Aber in der Vermietung ist gerade ein voll ausgebauter Adria-Kastenwagen verfügbar und nach ein paar gewechselten Worten dürfen wir ihn für eine Woche unser eigen nennen. Da kommt Freude auf, denn das schönste an diesem Fahrzeug sind nicht die Ledersitze, das große Doppelbett oder die integrierte Dusche. Nein, es ist die Standheizung, welche uns täglich das Leben ein klein wenig angenehmer gestaltet. Danke an dieser Stelle an Enrico und Gebetsroither für die warmen Nächte.

Wetter-Kapriolen

Zu Beginn des eigentlichen Events stoßen dann auch noch Hänsl und Axel dazu. Einer reist zeitgemäß mit dem Zug an, der andere adäquat mit einem alten T3. Lasset die Spiele beginnen – auch wenn der erste offizielle Tag des Events zur Gänze verregnet ist, ist die Vorfreude groß, die Teilnehmer entspannt und alle guter Laune. Das Wetter soll bis Sonntag „durchwachsen“ sein – das sagen die Wetter-Experten immer, wenn sie keine Ahnung haben, was tatsächlich kommt. Wir stellen uns auf Regen ein, in stiller Erwartung auf Besserung. Doch Quaxi meint es halbwegs gut mit uns und so dürfen wir täglich unsere Bike-Touren bei schönem Wetter durchführen.

Die Loferer Alm und die umliegende Bergwelt sind atemberaubend schön. An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken, zahlreiche urige Almen laden zur Einkehr ein und in regelmäßigen Abständen prasseln Wasserfälle ins Tal. Ich hatte mich im Sommer schon gewundert, warum es in ganz Österreich trocken ist und sich die Wiesen braun färben, aber hier in St. Martin alles in sattes grün getaucht ist … Jetzt weiß ich’s. Scheint wohl öfters zu regnen und daher viel Wasser zu geben. Die steilen Seitentäler sind wahre Schluchten-Juwele und eine Klamm jagt die Nächste.

Buntes Camper-Leben

Unsere Touren gestalten wir flexibel, oftmals ein wenig kürzer um auch die zahlreichen Vorträge im Tipi, die vielen Side-Events und nicht zuletzt die Camper Vans zu sehen. Wir schnuppern Camping-Luft, daher wollen wir die große Dichte an Van-Diversität auch nutzen, um uns ein wenig über die Möglichkeiten und die zahlreichen Bus-Typen zu informieren. Auf unseren täglichen Runden über den Platz treffen wir aber nicht nur spannende Busse und Ausbauten, vielmehr sind es die Menschen, die dort drinnen wohnen. Vom Weekend-Warrior bishin zu Pärchen, die seit mehreren Jahren im Bus leben. Vom selbst ausgebauten alten Bus bishin zum rollenden Appartment ist alles dabei.

Auch ein paar Tage früher angereist – und wie sich herausstellt wahre CVSM Urgesteine – sind Tascha und Patrick, kurz „Pataschas World“. Ganz nach dem Motto „Home is where you park it“ reisen die beiden in ihrem Bus um die Welt und erzählen ihre Geschichten und Erlebnisse. Alles hat in Betty, so nennen sie liebevoll ihren Ford Transit, seinen eindeutigen Platz. Spielraum für etwas Mehr gibt es hier nicht – und so müssen sie auch die bei der Barbecue-Challenge gewonnene Dometic-Kühlbox zurück lassen. Betty ist schlichtweg voll.

Im Winter zum Nordkap

Bei den aktuellen Außentemperaturen kaum vorstellbar, aber es geht noch kälter. Dominik ist mit seinem Defender gen Norden aufgebrochen und hat bei -35°C im Dachzelt übernachtet. Geht das? Klar, da muss man durch. Doch ein wahrer Defender-Fahrer ist ja auch ein Bastler und so wurde die warme Luft der Standheizung mal schnell ins Dachzelt umgeleitet. Ein Loch in der Heckklappe ist schnell ausgeschnitten und wohlig warmen Nächten (bei ca. 13°C) steht nun nichts mehr im Wege.

Wir sind Helden

Hinter ganz besondern Menschen stehen oft auch ebenso besondere Projekte. So freut es uns riesig, Andrea Voß, Helden-Camperin der ersten Stunde, kennengelernt zu haben. Das Projekt Heldencamper stellt kostenlos Camper-Vans, Dachzelte und andere Reisemobile für junge Erwachsene mit Krebs zur Verfügung. Die Heldencamper sind dazu da, einzigartige Glücksmomente zu schaffen, Erlebnisse zu ermöglichen. Eine Auszeit aus dem Krankenhaus-Alltag, um den Kopf frei zu bekommen und das Leben zu genießen. Andrea hatte selbst Krebs, und weiß wovon sie spricht. Man sieht ihr förmlich an, wie sie für ihr Heldencamper-Projekt brennt. Mit Herz und Seele, mit jeder einzelnen Bewegung, Gestik und Mimik, wenn sie auf der Bühne steht und ihr Lebens-Projekt präsentiert. An alle die das hier lesen: unterstütz sie, unterstützt Menschen um sich für kurze Zeit aus dem anstrengenden Kampf gegen den Krebs auszuklinken. Wir haben schon gespendet, und wünschen Andrea viel Erfolg und Gesundheit.

Quer durch Europa

Am Freitag Abend ist es dann soweit – wir dürfen einen Foto-Vortrag über unsere Reisen präsentieren. Der „Hersteller-Abend“ wird supported von Hymer, Westfalia und Crosscamp. Bereits unsere geführten Bike-Touren hier vor Ort laufen unter dem Titel „Crosscamp unlimited – Mountainbike Touren mit Bikefex“. Nicolaus präsentiert den mehr als gelungenen Alltags-Camper und wir dürfen mit unseren Bildern nachfeuern. Gänsehaut-Feeling zu erzeugen ist das Ziel unserer Show – und es freut uns, dass wir viele der TeilnehmerInnen auf eine einzigartige Erlebnis-Reise in die Bikefex-Welt mitnehmen dürfen. Wir erzählen von Dinosauriern in den Pyrenäen, von Trollen in Norwegen und von den gastfreundlichen Hirten in Georgien.

Der Crosscamp Camping-Van hat es uns angetan – zu 80% Alltag, 20% Camping. Bestens für Kurz-Abenteuer geeignet, aber auch für den längeren Sommerurlaub bestens gerüstet. Mittlerweile konnten wir einige der Fahrzeuge näher unter die Lupe nehmen. Klar, so ein 6,4 m langer Kastenwagen mit Hubdach und allem Erdenklichen an Ausstattung ist schon eine Wucht – aber irgendwie soll der auch bei uns ins Carport und zum Einkaufen passen. Ein großes Wohnmobil ist nicht so ganz unsere Art und ein alter gebrauchter Bus würde mich nicht entspannt auf Reisen schicken. Die Auswahl spitzt sich also zu – und wir sind gespannt, wohin uns die Reise führen wird. Wir halten euch am Laufenden.

Nach dem Vortrag führt mich meine ganz persönliche Reise in die Strowollner Schlucht, und zwar gemeinsam mit Jan Fitschen. Der ehemalige Europameister über 10.000 m war auch als Partner vor Ort und war drei Tage lang auf den Trails unterwegs. Heute steht ein Night-Run durch die Klamm am Programm – und wann hat man schon mal die Möglichkeit, mit einem Europameister gemeinsam laufen zu gehen. Ein Bier danach und schon fiel ich hundemüde ins Bett. Und hab ich schon erwähnt, dass ich meine Standheizung liebe?

Guten Morgen Sonnenschein

Wie auch schon bei der Messe in München, werden wir täglich von Nana Mouskouri geweckt. Zumindest aus dem Lautsprecher schallt täglich der Sonnenschein. Doch zum Ende des Meetings lässt sich das schöne Wetter nochmal blicken. Wir genießen die letzten Stunden bei der größten Frühstücks-Tafel St. Martins, gemeinsam mit allen Teilnehmern und bleibenden Eindrücken. Ein großer Dank an Peter Draeger und Markus Ritter von der camprepublic.de für die Einladung, die tolle Organisation und die Herzlichkeit, mit der ihr dieses Event durchgeführt habt. Hier sei noch erwähnt, dass viel Augenmerk auf die Nachhaltigkeit und die Vermeidung von Müll gelegt wurde. Der Campingplatz wird selbst als Öko-Campingplatz geführt, der Strom wird großteils aus dem eigenen Wasserkraftwerk gezogen, beim täglichen Abendessen wurde auf Pappteller verzichtet – jeder Camper hat sein eigenes Besteck/Teller mitgebracht, Flyer und Banner hat man ebenfalls weggelassen und viele Werbemittel wurden aus Holz gefertigt. Da ziehe ich meinen Hut, oder zumindest die Bikefex-Kappe, und freue mich auf’s nächste Mal.

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